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Are Artists Rich? Der Wert künstlerischer Arbeit

Workshop und Parlamentarischer Abend im Portikus der Badischen Stahlwerke Kehl, 21. November 2012

Are Artists Rich? thematisierte den Wert künstlerischer Arbeit in Europa. Moderne Gesellschaften brauchen das Experimentierfeld Kunst, um neue, relevante Fragen und Lösungsansätze zu ‘testen’ und jenseits der Einschränkungen von tagespolitischer Logik und wissenschaftlicher Diskurse zu reflektieren. Doch welche Rolle spielt Kunst in einer Gesellschaft von Shareholdern, ‘Usern’ und Occupy-Bewegungen? Soll sich die Kunst als ‘Ware’ dem ökonomischen System unterordnen? Welche Kunst will die Gesellschaft und was ist sie bereit, für die Freiheit und Vielfalt der Kunst zu investieren?

Auch vor dem Hintergrund neuer Präsentations- und Verbreitungsformen bildender Kunst (interventionistische Praxen, kollaborative Projekte, alternative Kunsträume, nicht produktorientiertes Arbeiten) stellt sich die Frage nach einer zeitgemäßen und nachhaltigen Kunst- und Kulturförderung: Wie können eine Kulturförderung und eine Gesetzgebung (Urheberrecht) aussehen, die neue zeitgenössische Kunstformen berücksichtigt? Bedarf es neuer Modelle für eine Unterstützung dieser künstlerischen Freiräume?

Zur Diskussion gestellt wurden die ‚außergewöhnliche Ökonomie’ und die Produktionsbedingungen, denen die Künstler/innen unterliegen, im Verhältnis zu den notwendigen Frei- und Möglichkeitsräumen, die das Kunstfeld bietet. Warum verdient ein Großteil der Künstler/innen unterdurchschnittlich wenig, auch in den Ländern, in denen die Rahmenbedingungen in Bezug auf Künstlerförderung, sozialer Absicherung, Urheberrechte etc. vergleichsweise gut sind? Welche strukturellen Besonderheiten gelten für das Kunstfeld? Und was ist die Ursache für die symbolische Überbewertung bei gleichzeitiger ökonomischer Unterbewertung? Was macht die Attraktivität und das Ansehen des Künstlerberufs aus, trotz der objektiv vorhandenen schlechten Einkommensperspektiven?

Workshop

Eingeladen waren Vertreter/innen nationaler und europäischer Künstlerverbände, der Dachorganisationen European Council of Arists (ECA) und der International Association of Art (IAA) Europe sowie freier Künstlergruppen und -initiativen wie die ‘Precarious Workers Brigade’ (London) und ‘Haben und Brauchen’ (Berlin).

Als Einstieg in den ersten Teil der Veranstaltung dienten kurze Impulsvorträge. Ein Vortrag des niederländischen Künstlers und Soziologen Hans Abbing führte in die Thematik der speziellen ‘Ökonomie in der Kunst’ ein und beleuchtete den Wert der Kunst für eine Gesellschaft gestern, heute und in der Zukunft. Mitglieder der ‘Precarious Workers Brigade’ sprachen über reale Arbeitsbedingungen im Kultur und Bildungswesen und präsentierten den aktivistischen und künstlerischen Umgang damit.

Im Anschluss erfolgte ein strukturierter Meinungs- und Erfahrungsaustausch der Teilnehmer/innen, in dem sich Kernthemen für zwei Arbeitsgruppen herauskristallisierten: 1. DENKWERKSTATT (Diskussion / Text); 2. AKTIONSWERKSTATT (Künstlerische Umsetzung / Aktion).

Parlamentarischer Abend

Am Abend wurde Mitgliedern des Europäischen Parlaments eine Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse präsentiert. Darüber hinaus wurde ein von der IGBK erstelltes Handout mit Gastbeiträgen (u.a. von Hans Abbing sowie von den vertretenen Initiativen und Dachorganisationen) und mit Texten zu aktuellen Themen in Bezug auf die Rahmenbedingungen künstlerischer Arbeit in Europa vorgestellt. Schirmherrin war die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung, Medien und Sport im Europäischen Parlament, Doris Pack.

Projektleitung: annette hollywood und Moira Zoitl

Das Handout kann hier in englischer Sprache heruntergeladen werden:

Videoimpressionen der Veranstaltung und vollständige Dokumentationen der Vorträge von Hans Abbing, der 'Precarious Workers Brigade' und 'Haben und Brauchen' finden Sie hier

Impressions - ARE ARTISTS RICH? 2012

The Exploitation of Visual Artists - Hans Abbing

Working Within the UK's Arts and Cultural Sector - Precarious Workers Brigade

To Have and to Need - Julia Lazarus